Positionspapier im Versorgungsprozess

Die Begleitung von Menschen mit Behinderung, insbesondere mit Körperbehinderungen erfordert planendes und vorausschauendes Denken und Handeln. An der Behandlung und Versorgung sind verschiedene Berufe mit unterschiedlichen Fachkompetenzen beteiligt. Wachstum und Entwicklung des betroffenen Menschen erfordern ständige Anpassungen der Versorgungsleistungen an die sich ändernden Bedingungen beim Patienten selbst und auch seiner Umgebung.

Beteiligte am Versorgungsprozess sollten sich als Partner des betroffenen Menschen, als Partner seiner Angehörigen und als Partner der anderen Professionellen im therapeutischen Team verstehen. Ausschlaggebend ist immer der Patientenwille, bei Kindern auch der Wille der Eltern.

Bobath-Therapeutinnen und -Therapeuten arbeiten entsprechend ihrer Philosophie interdisziplinär vernetzt im 24-Stunden-Konzept. Ausgangspunkt für ihr therapeutisches Handeln ist das Analysieren der Ressourcen des Patienten und seiner Angehörigen. Eine kooperative Partnerschaft mit den Hilfsmittelversorgern ist dabei ein wesentlicher Teil der interdisziplinären Zusammenarbeit. Bereits bei der Planung einer Hilfsmittelversorgung sollten beide Partner: Therapeut und Orthopädiemechaniker von Anfang an kooperieren. Auch die Angehörigen und das häusliche wie soziale Umfeld müssen einbezogen werden. Dabei hat es sich bewährt, die Etappen des gemeinsamen Vorhabens im Versorgungsprozess zu dokumentieren. So können Irrtümer und Fehlversorgungen vermieden werden.

Therapie und Hilfsmittel sollen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Diese Versorgung soll das ersetzen, was nicht selbst geleistet werden kann und aktivierend wirken. Nur eine interdisziplinäre Zusammenarbeit, bei der das Fachwissen aller Beteiligten einfließen kann, führt nachhaltig zu Zufriedenheit des Patienten und seiner Angehörigen und zu vertretbaren Kosten.

Mit dem Besuch von Bobath-Therapeuten im Otto Bock- Science-Center ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Partnerschaft im Versorgungsprozess gegangen worden. Bobath-Therapeutinnen wurden die Hintergründe und die Philosophie für die Hilfsmittel nahe gebracht. Wünschenswert wäre es unsererseits nun in einen Dialog zu treten, der auch Hilfsmittelhersteller die Erwartungen von Bobath-Therapeutinnen an die Produkte und deren Anpassungsfähigkeit wissen lässt. Diese Dialogplattform möchten Bobath-Therapeuten gern mit Hilfsmittelherstellern intensiv gestalten.

Angela Wodraschke-Hanke
21.05.2012