Bericht über die 43. Jahrestagung der Vereinigung der Bobath-Therapeuten Deutschlands e.V. in Karlsruhe

„Bobath meets REHAB“ war das Motto der Tagung vom 17. bis 19. Mai 2019 in Karlsruhe. Wie die Geschäftsführerin Britta Wirtz der weltweit führenden Rehabilitationsmesse in ihrer engagierten Einführungsansprache ausführte, wird die REHAB alle zwei Jahre ausgerichtet und wächst mit jedem Mal. Erstmals in diesem Jahr konnten die 200 Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Bobath-Jahrestagung (Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Pflegekräfte und Ärzte) nicht nur wie gewohnt Vorträge und Seminare sondern darüber hinaus auch die Messe mit 450 Ausstellern zum Preis der Tagungsgebühr besuchen.

Das traditionelle Treffen der Bobath-Gemeinde mit Begegnungen, Austausch und fachlicher Weiterbildung befruchtete im Gegenzug auch die internationale Rehabilitationsmesse für mehr Lebensqualität. Auf dem „Marktplatz Gehirn“ der REHAB informierten die Referenten Gaby Jacobs, Helmut Gruhn und Sarah Clayton das Publikum über neurologisch relevante Themen. Am Messestand der Bobath-Gesellschaft beantworteten Gisela Ritter und Kerstin Rethemeier viele Fragen der zahlreichen Besucher.

Den ersten Vortrag der Tagung hielt der Neuropädiater und Mitglied des Wissenschaftsbeirates der Vereinigung Dr. Gerd Niemann: „Wie lernt das kindliche Gehirn? Neurowissenschaftliche Erkenntnisse und deren Anwendung in der Rehabilitation“. Für Therapeuten sei es wichtig, die Arbeitsweise des Gehirns zu verstehen, um dementsprechend die therapeutischen Interventionen planen können.

Zum Gedenken an die kürzlich verstorbene Schweizer Kinderärztin Dr. Elsbeth Köng hielt Dr. Angelika Enders einen sehr persönlichen Nachruf. Zusammen mit der Bobath-Therapeutin Mary Quinton trieb Dr. Köng über viele Jahrzehnte Implementierung und Weiterentwicklung des Bobath-Konzeptes für die Behandlung von Kindern mit CP voran. Das Ehrenmitglied der Vereinigung ist vielen Teilnehmerinnen der vergangenen Fachtagungen als unermüdliche Tänzerin auf den Festabenden bekannt.

Gaby Jacobs, Pflegekraft und BIKA-Instruktorin, erläuterte in ihrem anschaulich bebilderten Vortrag: „ADLs: Körperpflege und Ankleiden im Rahmen therapeutisch aktivierender Pflege“ die Umsetzung des 24-Stunden-Konzeptes in der Pflege neurologisch erkrankter Erwachsener. Auch wenn sie bei den knappen Ressourcen in der Pflege nur wenig Zeit zur Verfügung habe, könne sie aktivierend und teilhabeorientiert mit ihren Patienten arbeiten.

Das entwicklungsneurologischen Seminar: „Zusammenhang zwischen Haltung und orofacialem Bereich / Nahrungsaufnahme“ der Logopädin Angela Salm und der Physiotherapeutin Kerstin Gehlhaar verdeutlichte ein wichtiges Element des Bobath-Konzeptes, die Interdisziplinarität. Mit vielen praktischen Beispielen zeigten die beiden Kindertherapeutinnen wie nach dem Konzept von Rodolfo Castillo Morales über den gesamten Körper die Funktionen des Mundes günstig beeinflusst werden können.

Im Seminar aus dem Bereich der Neurorehabilitation: „Minus-Symptomatik – Parese, Inaktivität, Schwäche, Non-Use“, der beiden Physiotherapeutinnen Gaby Eckhardt und Gerlinde Hase wurde an der Behandlung hypotoner Paresen gearbeitet.

Margaret Mayston griff in ihrer Präsentation: „Bobath und NDT: Basis und Weiterentwicklung“ viele der Fragen auf, welche Bobath-Therapeuten nicht nur in Deutschland umtreiben. Überall in der Welt sind die Folgen der 2013 veröffentlichten Studie von Sarah Novak zu spüren. Diese kam in ihrem Review zu einem verheerenden Ergebnis für die Betrachtung der Wirksamkeit der Therapie nach dem Bobath-Konzept. Im Nachhinein konnte Frau Novak zwar wissenschaftliche Ungenauigkeit nachgewiesen werden, jedoch bleibt der Image-Schaden für das Bobath-Konzept bestehen. Margaret Mayston hob hervor, dass Bobath-Therapeuten besonders qualifiziert im Clinical Reasoning seien. Wichtig sei es, auch den Dialog mit Nicht-Bobath-Therapeuten zu pflegen. Gleichzeitig appellierte sie an die Gemeinde der internationalen Bobath-Therapeuten, sich auf eine gemeinsame Nomenklatur zu einigen um in der Außenwirkung klarer und einheitlicher zu sein. Ihrem eigenen Auftrag folgend nannte Margaret Mayston den Workshop „Konflikt oder Konsens?“, der sich an die Fachtagung anschloss.

Die Referentin Sarah Clayton kam ebenfalls aus England. Sie erläuterte mit großem Engagement wie durch Nachtlagerung Gelenkkontrakturen bei geriatrischen und multi-morbiden Patienten in Pflegeheimen behandelt werden können. Der Erfolg für Gelenkbeweglichkeit und Lebensqualität wurde durch eine Studie nachgewiesen.

Den Poster-Wettbewerb gewann die Physiotherapeutin Susanne Löw , die zum Thema „Testverfahren zur Körperwahrnehmung bei Kindern mit sensomotorischen Defiziten“ ihre Bachelorarbeit geschrieben hatte und uns die Zusammenfassung in einem Poster präsentierte.

Am Rand der Tagung trafen in sich die Mitglieder des Wissenschaftsbeirates zu ihrer alljährlichen Sitzung. Wichtiges Anliegen der Vereinigung ist die Ausschreibung eines wissenschaftlichen Projekts zur Untersuchung zentraler Effekte des Bobath-Konzepts. Hierzu hatte Justine Eck eine Antragsskizze vorbereitet, die mit dem Wissenschaftsbeirat abgestimmt wurde.

Das lebendige Miteinander von Tagung und Messe, von Fachbesuchern, Familien und sowohl Kindern als auch Erwachsenen mit einem Handicap schuf eine fröhliche Atmosphäre. Wie die fast durchgängig positiven Feedback-Bögen zeigten ist das Experiment, die Bobath-Jahrestagung an die REHAB zu koppeln, gelungen!